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Reisebericht Teil 1:
Jiang Zemin war schon da.
Man konnte gehen, wohin man wollte. Der Typ mit
der großen Brille war schon da. Hat eine Fabrik besucht. Tee getrunken.
Ein Produkt gelobt. Nutzlose kunstgewerbliche Gegenstände einem Gast
geschenkt. Einen See angeschaut. Oder einen Berg. Oder eine Autobahn.
Überall hängen Fotos von ihm.
Nie war ich Erster! Keine Chance. Was man so hört,
soll er nach seinem Rückzug aus den offiziellen Ämtern noch öfter
herumgereist sein. |
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Reisebericht Teil 2:
Mit Rüstung ins Bett? War ich diesmal
besonders dünnhäutig? Die Betten in China sind relativ hart. Fand ich
bisher ganz bequem, aber:
Nach der ersten Nacht war mein rechter Ellenbogen
aufgeschürft. Nach der zweiten Nacht das linke Knie. Dann (die
Mitreisenden schauten beim Frühstück schon ganz erwartungsvoll) der
linke Ellenbogen (nur etwas, nicht schlimm). Später keine weiteren
Verletzungen. Die Betten und Laken in den verschiedenen Hotels hatten
alle etwa den gleichen Härtegrad. Wasser habe ich nicht gemessen.
Lag es im weiteren Verlauf an den angepassten
Bewegungen im Schlaf? Wurde die Haut durch die kalten Tagestemperaturen
in der ersten Woche widerstandsfähiger? Rätsel über Rätsel. Schreibt
doch mal einer was dazu! |
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Reisebericht Teil 3:
Die Hemden-Krise. Die Woche vorher:
Shanghai, 23 Grad, dann 25 Grad, weiter die Küste runter in Guangzhou
auch warm, mit Gewitter. Nanjing warm. Heilongjiang und Xinjiang dagegen
kalt. Da ist nächste Woche im Osten bestimmt 27 bis 29 Grad drin. Also:
Raus mit den langen Hemden und dem Pullover und die Ärmel gekürzt. Bin
schließlich schon mehrfach bei steigenden Temperaturen in China mit
meinen Pullovern aufgelaufen.
Dann die Landung. Unter 16 Grad. Regen. Wind. Die
Frisur hält. Der Mikro-Schirm wird nicht ausgepackt. Könnte ja nass
werden. Über die schlechte Sicht freut sich meine neue Kamera. Wie war
das noch mal mit der Durchschnittstemperatur auf dem Huangshan? 8 Grad
im April, 10 im Mai. Brrrrr! Wie lange reichen meine Hemden? Wie sieht
es aus, wenn ich mehrere übereinander anziehe? Vielleicht abwechselnd
vorne und hinten geknöpft. Das stabilere Sakko darf vorher nicht nass
werden. Zusätzliche Klamotten kaufen? – Auf keinen Fall! Lieber krank
und mehr Transportkapazität für Bücher.
Das Wetter wird besser. Warm. Die Sonne kommt
durch. Kein Wind. Auf dem Berg habe ich zwei T-Shirts drunter an und
schwitze. Soll ich eines davon öffentlich ausziehen? Mr. Bean hat mal
seine Badehose durch die Hose angezogen.
Nach dem Rückflug noch ein kleiner Anschlussurlaub
in Deutschland. Laufe mit kurzen Ärmeln durch Erlangen. Die Jacken sind
schon im Auto. 16 Grad. Regen. Wind. Die Frisur hält immer noch. Beim
Auspacken finde ich sogar noch ein überzähliges Hemd. Nichts mehrfach
durchgeschwitzt und immer passende Farben. Hat jemand etwas von Krise
gesagt? |

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Reisebericht Teil 4:
Wie viele Stufen noch? Die
Huangshan-Seilbahn (Made in Austria) ist talwärts ausgebucht. Wartezeit
mindestens zweieinhalb Stunden. Wie lange läuft man? – Zweieinhalb
Stunden. – Na, dann laufen wir doch!
Es sind tausende Treppenstufen. Alle unter zwanzig
Zentimeter kurz. Entweder man läuft auf den Zehenspitzen oder auf den
Absätzen. Kleiner Tipp: Bei jedem zehnten Schritt das Bein ausschütteln.
Sonst ist man unten (also, wenn man ankommt...) kürzer.
Beeindruckend: Weil die Seilbahnen mit den
Touristen beschäftigt sind werden die meisten anderen Transporte von der
lokalen Bevölkerung über die Treppen abgewickelt. Diesel, Gasflaschen,
ganze Herde, Baumaterial, Gemüse hoch, Wäsche von den Hotels nach unten.
Die gute alte Tragestange. Mit Stützstange für die Pausen. Die Träger
machen in einer Schicht nur einen Auf- und Abstieg. Ich finde, das
reicht. Auch Tragstühle werden angeboten, von uns aber stolz abgelehnt.
Der Muskelkater bleibt (wie schon früher bei der Mauer) aus. In den
folgenden Tagen gibt es nette Fotos von den Kolleginnen mit den
modischen Schuhen. Man stützt sich gegenseitig. In Nanjing stehen wieder
Treppen auf dem Programm. Die stecke ich locker weg. |

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Reisebericht Teil 5: 4
– 10 – 7 – alle gleich? Dass im Osten um
Shanghai die Aussprache abweicht und gerne mehr gezischt wird wissen wir
ja schon. Beim Kauf einer Flasche Grüntee im Hotel war ich über den
guten Preis erstaunt: „si4 Yuan“ (4). Auf meinen 10-Yuan-Schein bekam
ich kein Wechselgeld. Ich fragte noch mal. Wieder die gleiche Silbe.
Gemeint waren „shi2“ (10) Yuan. Also aufgepasst: 4 und 10 werden oft
vollkommen gleich ausgesprochen.
Ein paar Tage später kam in Anhui noch etwas dazu.
Diesmal wären 7 Yuan fällig gewesen. Zu hören bekam ich aber wieder „si“,
diesmal ohne Akzentuierung. Jetzt ist auch noch die 7 (qi1) der
Vereinheitlichung zum Opfer gefallen. Wohin wird das führen? Die 1 (yi1)
ist der nächste Kandidat. Arme Eins! Ich trauere ihr schon jetzt nach.
Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Kurz darauf war das
7-Phänomen auch in Jiangsu zu beobachten. Grassiert eine Epidemie? Die
Aussprache-Grippe? Ich gehe davon aus, dass sie durch die Luft
übertragen wird und zuerst die Ohren angreift. Dann das Gehirn.
Weitergegeben wird sie über infizierte Stimmbänder.
Der Busfahrer aus Suzhou war für mich übrigens
fast gar nicht zu verstehen. Seine Gesprächspartner aus der Umgebung
dagegen sehr gut. Er hat sich wahrscheinlich nicht viel Mühe gegeben.
Aber gefahren ist er sehr gut. |
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Reisebericht Teil 6:
qing ming shang he tu für unterwegs kaufen.
Meine Lieblings-Bildrolle gibt es jetzt auch für
die Westentasche. Im Original ist sie nur knapp über 25 cm hoch. Auf
billigem Papier gibt es zwei verkleinerte Versionen. So kann ich die
kleinste immer mitnehmen. Im Auto, beim Sport (nur hypothetisch – ich
steige höchstens Treppen), beim Essen: nie mehr werde ich ohne sein!
Schnell mal aufrollen und nachsehen. Ja, noch alle
Figuren da. |
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Reisebericht Teil 7:
"Hello! Do you speak english?" In einem
Laden, in dem ich eigentlich gar nicht sein wollte, wurden wir ständig
gefragt „Do you speak english?" Geantwortet hat niemand etwas. Gekauft
auch nicht. Aber die aufdringlichen Fragen gingen weiter. Am liebsten
hätte ich gesagt „Jintian women shuo fayu. Mingtian wo bu zhi dao.“ Aber
Domasla hat sich gerade noch höflich zurückgehalten. Müde
herumgestanden, dann schnell zurück in den Bus.
Wir hätten örtliches Kunsthandwerk kaufen sollen.
Steine, etwa 3 m breit und 1 hoch. Keine Ahnung, was so was wiegt. Als
Handgepäck für das Flugzeug sicher nicht geeignet. Es gab, wie immer in
diesen Läden: Alles. Alle chinesischen Motive. In allen Materialien
(hier: Stein). In allen Größen. In allen Geschmacksrichtungen (für mich:
geschmacklos).
(hier ein kleiner grauer Kreis, aus dem im
weiteren Verlauf ein Steingesicht herausgeschnitten wird, ziemlich grobe
Zähnchen, aber grinsend - das bleibt eine zeitlang stehen und wird dann
wieder zum unbearbeiteten Steinzeit-Rad) |
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Reisebericht Teil 8:
Kinder essen Busse.
Auf dem Parkplatz beobachtet, wie ein Mädchen in
einem Transportfahrzeug mit Stäbchen am Fenstermechanismus herumgespielt
hat. Dass der Kofferbus anschließend gegessen wurde entspringt meiner
grenzenlosen Phantasie.
Zubereitet und angeboten wurde aber eine unschöne
Masse: Stinkender Doufu. Dem Geruch nach wirkt es sich auf die
benachbarten Läden geschäftsschädigend aus. Unvorstellbar, dass jemand
so was essen könnte. Vegetarisch ist das nicht mehr. Zumindest spielt es
keine Rolle mehr. Eigentlich ist es ein interessantes Baumaterial. Zum
Export in weit entfernte Kontinente. Brrr. Igitt! Teer riecht besser.
Sonst war das Essen sehr gut. Die einfachsten
Gerichte waren die besten. Zum Beispiel eine Portion Gemüse-Jiaozi für
35 Cent in einem unterirdischen McChinalds in Shanghai. Die Getränke
waren meistens etwas teurer. |
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Reisebericht Teil 9:
Einem schönen Feuerwerk zuhören. Am 18.
April ist Feuerwerk. Auch in Yangzhou. Am Nachmittag sind aufwendige
Vorbereitungen zu beobachten. Am Abend knallt es plötzlich vom Stadtrand
her hinter dem Taxi. Und dann aus allen anderen Richtungen. Oh, wie
aufmerksam. Das wäre doch nicht nötig gewesen! Wegen der Häuser sehen
wir wenig. Aber der Wille zählt und wird wohlwollend zur Kenntnis
genommen. In der Innenstadt gibt es schließlich vom schmalen (schlanken)
Westsee her doch noch etwas zu sehen. Sehr ansprechend!
Yangzhou ist sehr zu empfehlen. Der Park um den
schmalen Westsee hat einen noch besseren Eindruck gemacht als die
kleinen Gärten in Suzhou. Ist auch mit einer anderen Ausrichtung
angelegt worden.
Touristisch nicht so überlaufen wie Nanjing oder
Suzhou in der Nähe. Trotzdem viel los. Nachts interessante
Einkaufsmöglichkeiten. Taschen? Die Altstadt ist dann wie ausgestorben.
Schöne Wege und Kanäle.
Tagsüber gab es an den Zugängen zum See auch ein
Dauer-Feuerwerk: rosa und hellblaue – auf jeden Fall grelle –
Plüschtiere. Auch Monster, Krokodile und so weiter. Die örtlichen Bauern
bieten diese gleichzeitig mit dem Obst zum Kauf an.
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Reisebericht Teil 10:
Bei der Tee-Fahndung.
Bei dieser Reise haben mehrere Personen
verdächtige Plastiktütchen mit kleinen grünen Körnern über Grenzen
geschmuggelt. Es waren Proben unserer Lieblingstees. Wir haben dringend
Nachschub gebraucht.
Meinen habe ich im Jahr vorher in Beijing gekauft. Ein S U P E R Aroma!
Ich wusste nur, dass er aus Fujian stammt. Namen hatte ich keinen. Aber
das Muster immer dabei.
Wir durchstreiften Teeläden, fachsimpelten und
gingen auf Diskussionen ein. Zuerst einen Jasmintee in Kugelform in
Hangzhou. Die Verhandlungen wurden zu je einem Viertel auf deutsch und
chinesisch und zur Hälfte auf schwyzerdütsch geführt. Das Konzept ging
auf. Alle Parteien waren zufrieden. Trotzdem: „Das war aber keine
richtige Teedegustation!“ – „Ja, der Tisch war zu hoch...“
Der Grüntee wurde am Drachenbrunnen in der Nähe
von Hangzhou gekauft. Schön frisch, duftend, kräftig. Daneben noch etwas
eigenhändig gepflückt. Als Souvenir.
Für das Tütchen mit meinem mitgebrachten
Schmunzelkraut habe ich in Tungxi am Huangshan in Anhui einen Verwandten
gefunden. Trotz meiner Warnung, dass die Qualität nicht ganz an die
letzte Ernte herankommt, haben meine Begleiter hemmungslos gekauft. Ich
ja auch. Die Teehändlerinnen konnten nicht verstehen, dass wir über ein
Kilo Wulong der gleichen Sorte wollten. Mit Ginseng-Aroma. Für die Probe
haben sie viel zu viel Blätter in das Glas gefüllt. Der Geschmack war
sehr schnell da, aber was für eine Verschwendung! Andere Tees konnten
uns nicht begeistern. Man wird sehen. Ich habe noch zwei
Sonntagsrationen zuhause, die verbraucht werden müssen, bevor die erste
frische Dose dran ist.
Den Chrysanthemen-Tee (eine Spezialität aus
Zhejiang und Anhui) habe ich Jahre vorher in Hong Kong als viel zu stark
gesüßtes kaltes Erfrischungsgetränk (Erfrüschungsgetränk) für den Sommer
kennen gelernt. War immer wieder ganz exotisch, aber muss ich warm nicht
haben. Schmeckt für meinen Geschmack zu stark Richtung Kamille. Beim
Kauf zurückgehalten. Ich hoffe nur, ich habe niemandem mit meiner
Begeisterung beim Erkennen des Aromas mitgerissen. Das habe ich auch
schon in Deutschland gemacht, als ich in einem Restaurant
überraschenderweise original eingelegtes Gemüse entdeckte. Geschmeckt
hat mir das Zeug deshalb auch nicht. Aber die Authentizität muss doch
irgendwie gewürdigt werden! |
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Reisebericht Teil 11:
Über das Fotografieren von Fotografen.
Sie waren überall. Und sie traten in Massen auf.
Reisegruppen, landwirtschaftliche Kollektive, Pärchen, Schulklassen. Sie
fotografierten alles und jeden. Und sie wurden fotografiert. Wie lustig
manche Menschen aussehen, wenn sie ein Auge zukneifen. Aber gleich den
Mund dabei aufmachen? So ähnlich habe ich mir bis jetzt die Japaner
vorgestellt. Aussteigen, knipsen, ausschwärmen, abdrücken, sich
gruppieren, fotografieren, einsteigen, noch mal schnell den Auslöser
betätigen.
Chinesen zeigen gerne die „Acht“, während sie
geknipst werden. Oder hat sie Winston Churchill inspiriert? Oft halten
sie sogar beidhändig die Victory-Finger hoch. Damit kann man nur auf
sich aufmerksam machen, wenn es nicht gerade alle tun.
Meine Lieblingsfotos sind die, auf denen sowohl
der Fotograf als auch das Motiv zu sehen ist. Oder mehrere Fotografen,
die alle auf das gleiche Ziel halten. Oder mehrere Fotografen mit ihren
jeweiligen Opfern vor einem dekorativen Hintergrund. In der
Digitalkamerazeit kommt noch der stolze Kontrollblick des Jägers beim
Taxieren seiner Beute dazu. Leider klappt es nicht immer, die Schärfe
gleichzeitig auf das Motiv und auf das Kamera-Display abzustimmen.
Wir mussten bei wildfremden Menschen mit aufs
Bild. Langnasen sind in China gar nicht mehr so selten, aber sie gehören
unbedingt zur Beute. Wie Brücken, Tempel, Einkaufstempel, Berge oder
Schilder. Blondinen bevorzugt.
Einige dörfliche Ausfluggesellschaften werden sich
bei ihrer Heimkehr wundern. Wer ist der Typ in der hinteren Reihe? Kennt
den jemand? Gehört der zu unserer Gruppe? Da hat sich doch jemand
angeschlichen und im passenden Moment – klick – sein Köpfchen
durchgeschoben... |

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Reisebericht Teil 12:
Hello! Kinder werden dazu angehalten,
auf der Straße Ausländer anzusprechen. Die nächste Generation der
Souvenirverkäufer steht also schon in den Startlöchern. „Hello!“ (und
gleich hinter den Erwachsenen verstecken). Die großen, merkwürdig
aussehenden Ungeheuer beugen sich herunter und kommen dabei immer näher.
Igitt! Diese Haare, die komischen Nasen und dann noch die unheimlichen
Bärte (um die Eltern herumlaufen und immer noch verstecken). Die Eltern
grinsen freundlich und meinen, dem Nachwuchs einen Gefallen getan zu
haben (noch einen Blick auf die außerirdischen Monster, an der Hüfte
vorbei). „Meine Gören werden mal reich und berühmt. Sie haben schon
jetzt ausländische Geschäftspartner!“ („Wenn ich die Augen schließe,
gehen die dann weg?“)
So. Und wie jetzt weiter? Auf ein längeres
Gespräch sind sie mit diesem beschränkten Wortschatz einfach nicht
vorbereitet. Die Situation ist für dieses Alter auch nicht
altersgerecht. Und für Straßen-Unterricht werden wir nicht bezahlt.
Ganz anders die angestellten Jung-Verkäufer. Die
können nie Englisch, wenn man mal ne komplizierte Frage hat. Zum
Beispiel was das „DSD“ bedeutet, das auf jeder Audio-CD steht. Habe ich
schon wieder einen Standard verpasst? Ja, „Direct Stream Digital“. Das
kann ich auch lesen. Aber was ist das. Kann ich das abspielen? Dabei
sollte jeder die Sprache in der Mittelschule gelernt haben. - Voilà
Monsieur Leroc. - Oder so ähnlich.
Wird man nicht angesprochen, ist man trotzdem
Gesprächsthema. Schnell mal im Vorbeilaufen „Wai guo ren, wai guo ren!“
der Mama ins Ohr geflüstert. – „Dui!”, kann ich da nur sagen. Wo die
Kleene recht hat, hat sie recht. |
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Reisebericht Teil 13:
Das Mitbringsel. Weshalb war ich
überhaupt in China? Vorher habe ich Aufträge gesammelt. Einer war:
„Onkel, bringst du mir eine Halskette mit?“ - „Na klar!“
Der Onkel geht also in Hangzhou in einschlägige
Etablissements. Goldläden? Juweliere? Schmuckgeschäfte
(Schmückgeschäfte)? – Nein. Modeschmuck und Zier-Utensilien. Da, wo die
Jüngeren hingehen. Die Jüngeren? Da sind gut und gerne auch
Dreißigjährige dabei! Ach, was sage ich? Älter.
Ansonsten stürmen Scharen von Schülerinnen die
Plastik-Supermärkte. Es gibt Haargummis, Ohrringe, Clips, Broschen,
Ketten, Täschchen, kleinere Täschchen, Lippenstift-Etius, Spiegel,
Lippenstift-Etuis mit Spiegel. Es wird viel ausprobiert und lange
beratschlagt, was man nehmen soll. Der Onkel fällt natürlich auf. Kauft
der das für sich selber? Er sieht gar nicht so aus. Was interessiert den
Ausländer? Was mache ich, wenn er mir eine Frage stellt? In Englisch?
Die Fragen fallen dann wirklich in einem ausländischen, weil
hauptstädtischen Dialekt aus. Gibt es das auch in anderen Farben? Kann
ich das da oben noch mal sehen? Hm... Nein, das Armband ist für ein Kind
zu groß. Ja, sehr schön, aber zu teuer.
Die Verkäuferinnen und Kundinnen beginnen sich
nicht mehr für die Waren zu interessieren. Die Menschentraube vergrößert
sich und engt den Handlungsspielraum ein. Aber da hat der Onkel auch
schon die richtigen Verzierungen gefunden: Eine Kette und zwei ... sind
es Broschen oder Haarclips? Rosa Schmetterlinge kommen bestimmt an. Und
der Anhänger hat eine schöne Form. Elegant geschwungen, nicht zu
symmetrisch. Und glitzern tut er auch. Dann gibt es in einem Laden noch
ganz billige Sachen. Hauptsache rosa! Es muss ein Haargummi (eigentlich
ist es bei dieser Größe eine Haarmanschette) und ein Täschchen mit.
Damit die Dame und ihre Kindergarten-Freundinnen wieder spielen können,
was sie für eine Modenschau halten.
Nach dem Rückflug (im Flugzeug kann ich nicht
schlafen, der Zug kam etwas nach 23 Uhr an) steht pünktlich um 7 Uhr
jemand vor meinem Bett.: „Onkel, da, wo du warst, gab es noch etwas?
Oder war alles ausverkauft?“
Schöne Begrüßung! Der Anhänger hat übrigens den
Umriss einer roten Erdbeere. |




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Reisebericht Teil 14:
Geräusche in Hotelzimmern. Nein, nein!
Nicht, was Sie schon wieder denken. Neben der Reibung von Haut auf dem
Bettlaken (scheuer, knirsch, knarz, rumpel, polter, schepper) fiel eine
Vielfalt akustischer Reize an.
Die Verkehrsgeräusche waren meist landestypisch.
Unabhängig von Isolierung und Stockwerk. Da fällt mir eine kombinierte
Beijing-Shanghai-Reise ein: In Beijing schlief ich einige Nächte im
zweiten (ersten) Stock. Mit Gehupe (rund um die Uhr) und
Speichermegaphonen von Straßenhändlern (6 bis 22 Uhr) unter meinem
Fenster. In Shanghai war ich dankbar für das Zimmer im 15. (16.) Stock.
Abseits von Hauptverkehrsstraßen. Zumindest was Autos betraf. Direkt am
Hafen hörte man auch die Signalhörner von Schiffen ziemlich gut, bis
nach oben.
In einem Hotel war es in der Nacht relativ ruhig. Erst um etwa 3 Minuten
vor sechs Uhr hupte jemand. Und eröffnete damit schlagartig die
Straßenverkehrs-Kulisse. Am nächsten Morgen das gleiche Muster. Wenn ich
nachts aufwachte war trotz angestrengten Horchens nichts zu hören.
Wieder ziemlich genau zur gleichen Zeit ging’s los. Aufgestanden und zum
Fenster gewankt.
Halt. Noch die Brille aufsetzen. Ja, so geht’s.
Seltsam, auf der Straße ist noch relativ wenig Verkehr. Die tun aber
schon so, als ob sie eine größere Anzahl Autos vertreten müssten.
Vielleicht hupen die Fahrer nur, um in Übung zu bleiben. Oder um selber
wach zu werden. Auf dem Fluss sind Fischerboote. Schnell wieder zurück
und die Kamera auspacken. Zu langsam. Nur noch ein Boot stehen
geblieben, aber das muss dran glauben. Dann eben mit Zoom bildfüllend
gemacht.
Die Nacht in Nanjing war gespenstisch ruhig. Innenfenster zur
Dachterrasse. Ich konnte nicht einschlafen, weil die Matratze
Atemgeräusche weitergab. Lautere waren nicht auszublenden und auf leise
muss man sich erst mal einstellen.
Landestypisch ist es ebenfalls (nach meiner
Erfahrung bezieht sich das auch auf andere Länder), dass nachts (1 bis 5
Uhr) gut gelaunte Gäste auf dem Weg zum Zimmer ihren Begleitern wichtige
Mitteilungen zu machen haben. Das tun sie sicherheitshalber so laut,
dass man an jedem Zimmer auf ihrem Weg klingeln und sich die Nachricht
wiederholen lassen könnte, sollte sie nicht verstanden worden sein.
Fernseher mit voller Lautstärke zu betreiben hebt nicht immer die
Programmqualität.
Eine Hochzeitstorte auf dem Flur bedeutet nichts
Gutes. Nicht, wenn man den Film „Das Hochzeitsbankett“ gesehen hat.
Anscheinend war eine Betten-Belagerungsgesellschaft im
gegenüberliegenden Zimmer. Die wurde aber um 11 ausbezahlt und ist
gegangen. Brav!
In den meisten Hotels habe ich die Minibar
ausgeschaltet. Anfangs hat es mich genervt, als nachts halbstündig der
Kompressor ansprang. Später ergriff ich die Prophylaxe und suchte schon
in wachem Zustand und mit Brille den Schalter. Vorher kontrolliert, ob
Schmelzwasser auslaufen oder keimen könnte. War aber nie der Fall.
Wan an! – Gute Nacht!
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